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Wieviel Milch ist noch gesund?

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Die Milch macht’s … vielleicht doch nicht!

Milch enthält wichtige Vitalstoffe – aber was folgt daraus? Ohne Milch geht’s gar nicht, glauben hierzulande viele. Während die einen sie zum Lebensmittel Nr. 1 stilisieren, lehnen andere sie für die Ernährung erwachsener Menschen kategorisch ab. Millionen Asiaten zeigen, dass man sehr wohl ohne Milch gesund leben kann. In Maßen konsumiert ist sie jedenfalls gesünder als in Massen. Und wer, was immer häufiger vorkommt, unter Unverträglichkeitsreaktionen leidet, muss den Konsum noch deutlicher einschränken. Unter der Bezeichnung „Milch” versteht man rein rechtlich Kuhmilch. Um eine Verwechslung auszuschließen, muss die weiße Flüssigkeit von anderen Tieren mit dem Namenszusatz, zum Beispiel als „Stutenmilch” gekennzeichnet sein. Egal von welchem Tier, Milch ist zwar flüssig, aber im eigentlichen Sinne kein Getränk, sondern Nahrung: 250 Milliliter enthalten, je nach Tierart und Fettgehaltsstufe, zwischen 125 (fettarme Kuhmilch) und 240 (Schafsmilch) Kilokalorien, was einer Zwischenmahlzeit entspricht.

Einige Pluspunkte der Milch sind weithin bekannt:
– Nach offizieller ernährungswissenschaftlicher Auffassung gilt Milch als guter Lieferant für Eiweiß mit einer „hohen biologischen Wertigkeit”. Das bedeutet, dass dieses Protein gut in körpereigenes umgewandelt werden kann.
– Der in der Milch enthaltene Milchzucker (Laktose) füttert die gesunde Darmflora, fördert die Verdauung – sofern man nicht unter Laktoseintoleranz leidet (siehe unten) – und begünstigt die Kalziumaufnahme.
– Milch und Milchprodukte haben zudem Kalzium zu bieten, das nicht nur wichtig ist für den Aufbau von Knochen, sondern auch für die Tätigkeit von Nerven und Muskeln.
Zu den Nebenaspekten gehört, dass Milch auch Vitamine aufweist, unter anderem Vitamin B2 (Riboflavin), das für den Zellstoffwechsel und die Energiegewinnung von Bedeutung ist. Ferner enthält sie Vitamin A und D. Ersteres gilt als Hautschutzvitamin, letzteres spielt im Knochenstoffwechsel eine wichtige Rolle. Außerdem liefert sie etwas Vitamin B12. Ein Mangel an diesem Vitalstoff führt zu Blutarmut.
Wissenschaftler haben vor 20 Jahren einen gesundheitsfördernden Stoff im Milchfett entdeckt, nämlich eine veränderte Form der Linolsäure. Die konjugierte Linolsäure (CLA) weist eine krebshemmende Wirkung auf. Außerdem kurbelt sie die Wärmeproduktion im Körper an. Interessant ist, dass Biomilch sowie Milch von Weidetieren ein Vielfaches mehr an konjugierter Linolsäure enthält als konventionelle. Mengenmäßig hat Milch allerdings überwiegend gesättigte Fettsäuren zu bieten (vor allem Palmitin- und Stearinsäure), nur in geringem Maße einfach ungesättigte Fettsäuren (Ölsäure). Durch viel Milch oder Milchprodukte gelangen wir also nicht zu einer gesunden Fettzusammensetzung unserer Ernährung, eher im Gegenteil. Was zu der Frage führt: Wieviel Milch muss es sein? Oder muss Milch überhaupt sein?

Viel Milch schützt nicht vor Osteoporose, im Gegenteil
Glaubte man der Milchwerbung, so hätten unsere Urahnen alle Osteoporose haben müssen. Es wird der Eindruck erweckt, als ob Milch und Milchprodukte die einzige Kalziumquelle wären. Ursprünglich hat sich der Mensch nur im Säuglings- und Kleinkindalter von (Mutter-) Milch ernährt. Seit wann die Menschen Milch von Tieren als Nahrung verwenden, lässt sich nicht genau bestimmen. Sumerische Tontafeln weisen auf einen mindestens 5000jährigen Gebrauch hin. Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Laufe der Entwicklungsgeschichte, und zwar in Regionen, in denen Milchwirtschaft gepflegt wurde, eine genetische Veränderung beim Menschen dazu geführt hat, dass er auch nach der Kinderzeit Milch verdauen kann. Millionen Asiaten nehmen wenig oder keine Milchprodukte zu sich. Dennoch kommt Osteoporose in diesen Ländern in wesentlich geringerem Maße vor als in der westlichen Welt. Trotz des hohen Milchkonsums in den USA, tritt dort diese Erkrankung häufig auf. Schaut man sich den chinesischen Speiseplan an, so fällt auf, dass täglich kalziumreiches, grünes Gemüse (z. B. Fenchel, Brokkoli, Lauch, grünes Blattgemüse) und oft auch kalziumreicher Sesam (z. B. in Form von Sesammus) auf den Tisch kommen. Ferner bereichern Sojaprodukte das Essen. Die darin enthaltenen Phytoöstrogene regen die knochenaufbauenden Zellen an und schützen so vor Knochenschwund.

Grüne Gemüsesorten und Kräuter in den Speiseplan!
Milchprodukte weisen zwar viel Kalzium auf, jedoch auch Phosphor, das die Verwertung von Kalzium behindert. Ein Grund für die höhere Osteoporoserate in westlichen Ländern ist ja der Konsum von phosphathaltigen Limo- und Colagetränken. Doch auch bei Quark, Schmelz- und Frischkäse überwiegt der Phosphatanteil, weswegen diese Produkte nicht zu den guten Kalziumlieferanten zählen. Auch ein Zuviel an Eiweiß wirkt sich negativ auf den Kalziumhaushalt aus, da der Mineralstoff dann vermehrt über die Nieren ausgeschieden wird. Die hohe Eiweißaufnahme über tierische Produkte in westlichen Ländern, wird als Grund dafür angesehen, dass – trotz Milchgenuß – Osteoporose häufig auftritt.
Wer Milch, Käse und Co. in rauhen Mengen verzehrt, tut deshalb seinen Knochen nichts Gutes. Wichtig ist immer, nicht nur Milchprodukte als Kalziumlieferanten heranzuziehen, sondern auch phosphat- und eiweißarme grüne Gemüsesorten und Kräuter (z. B. Petersilie, Dill, Schnittlauch). Die Entstehung von Osteoporose hängt nicht vom Konsum eines Lebensmittels wie der Milch ab, sondern von der Gesamtzusammenstellung der Nahrung. Falsch allerdings ist die Behauptung, dass das Kalzium aus Milchprodukten generell nicht verwertet werden könne. Milch, Joghurt und die meisten Käse enthalten mehr Kalzium als Phosphor. Zudem unterstützen das in Milch enthaltene Vitamin D und der Milchzucker die Kalziumresorption. Es ist eine Frage der Menge, ob Milchprodukte den Körper mit diesem Mineralstoff bereichern oder dafür sorgen, dass er über die Nieren wieder ausgeschieden wird!

Milch als Risikofaktor für Arteriosklerose und Allergien
Es gibt noch weitere Gründe, warum Milch und Milchprodukte in Maßen gesünder sind als in Massen:
Homocystein ist eine Substanz, die natürlicherweise im Stoffwechsel durch den Abbau der Eiweißsubstanz Methionin entsteht und die Entstehung von Arteriosklerose fördert. Eine erhöhte Aufnahme dieser Aminosäure, die vor allem in tierischen Lebensmitteln vorkommt, kann zu einer Erhöhung der Homocysteinwerte im Blut führen. In der Folge verkalken vermehrt die Blutgefäße. Deshalb sollte man tierische Produkte nur maßvoll zu sich nehmen. Naturheilkundler haben festgestellt, dass ein hoher Milchkonsum schleimbildend wirkt. Wer des öfteren unter schleimigem Husten oder Schnupfen leidet, sollte deshalb ebenfalls sparsam mit Milch und Milchprodukten umgehen. Wenn man unter einem Reizdarm leidet, lohnt sich ein Versuch mit einer gänzlich milchfreien Ernährungsweise. Untersuchungen an Patienten mit diesem Symptom zeigen, dass häufig der Genuss von Milch die Symptome wie Durchfall oder Blähungen verstärkt.
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Säuglinge, die vor dem 2. Lebensmonat Kuhmilch gefüttert bekamen, in späteren Jahren doppelt so häufig einen Diabetes Typ I entwickelten wie gestillte Kinder. Zur Vorbeugung der juvenilen Zuckerkrankheit sollte deshalb mindestens drei, besser noch sechs Monate gestillt werden.
Liegt in der Familie eine Disposition für Allergien vor, ist es ratsam, dem Säugling möglichst im ersten Lebensjahr keine Kuhmilch zu geben. Sie zählt in Deutschland zu den Hauptauslösern einer Allergie. Diese kann als Hautausschlag, Heuschnupfen oder als asthmatischer Husten in Erscheinung treten. Auch gegen die als Alternative zur Kuhmilch angepriesene Schaf-, Stuten- oder Ziegenmilch kann sich eine Unverträglichkeit entwickeln. Vor allem Schafsmilch stellt nur in Einzelfällen eine Alternative zur Kuhmilch dar, da beide ein ähnliches allergisches Potential aufweisen.
Bei einer „maskierten Allergie” gegen Kuhmilch – wenn allergieartige Beschwerden auftreten, ohne dass es zur typischen Antigen-Antikörper-Reaktion kommt – ist es nicht sinnvoll, in großen Mengen „Alternativmilch” zu konsumieren, da man dann möglicherweise auch dagegen eine Unverträglichkeit entwickelt. Eine maskierte Allergie kann sich durch Symptome wie Migräne, Depressionen, Muskelverspannungen oder Magen-Darm-Störungen äußern.

Laktoseintoleranz: Joghurt und Käse meist verträglich
Wie viele Menschen in Deutschland unter einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) leiden, ist nicht genau bekannt, da die Dunkelziffer hoch ist. Schätzungsweise sind bis zu 20 Prozent davon betroffen, was noch wenig wäre im Vergleich etwa zu afrikanischen oder asiatischen Ländern, wo es etwa 70 bis 90 Prozent sind. Bei der Laktoseintoleranz wird ein Enzym der Darmschleimhaut, nämlich die Laktase, vermindert oder gar nicht mehr produziert. Dieses Enzym spaltet den Milchzucker und macht ihn dadurch verdaubar. Fehlt die Laktase, so kommt es nach dem Genuss von Milch – egal von welchem Tier sie stammt – zu Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Luftaufstoßen. Produziert der Darm immerhin noch geringfügig Laktase, werden kleine Mengen an Milchprodukten vertragen, wobei gesäuerte Erzeugnisse, z. B. Joghurt, erfahrungsgemäß bekömmlicher sind als Milch oder Sahne. Wenn bereits kleine Mengen an Milch Beschwerden auslösen, ist es wichtig, auf eine milchzuckerfreie Kost zu achten. Doch Butter und viele Käsesorten, wie Emmentaler, Gouda, Tilsiter, Camembert, Edelpilzkäse, Appenzeller, Harzer oder Mozarella sind für die meisten Betroffenen „erlaubt”. Denn alle Schnittkäsesorten, Weich- und Schimmelkäse weisen unter 0,1 g Laktose pro 100 Gramm auf und führen daher nicht zu Beschwerden. Reich an Milchzucker ist dagegen Schmelzkäse; auch Frischkäse (3,5 g Laktose/100 g) wird oft schlecht vertragen. Vorsichtshalber sollte man bei Laktoseunverträglichkeit auf die Zutatenliste von Lebensmitteln achten, da diese Milchpulver enthalten können. Besondere Vorsicht ist geboten bei Produkten wie Schokolade, Trinkkakao, Instant-Kaffeepulver, Puddingspeisen, Nuss-Nougat- Cremes, Backwaren, Fertigsoßen und -gerichte sowie – je nach Ausprägung der Intoleranz – bei Arzneimitteln auf Milchzuckerbasis.

Die Milch ist also weder Gold noch Gift. Eine ehrliche Antwort auf die Frage, wie wertvoll oder schädlich sie ist, muss individuell, passend zum Bedarf und zur Verfassung des einzelnen gegeben werden. Und: Nicht die Milch macht’s, sondern das rechte Maß; für viele heißt das: die eingeschränkte Menge macht’s.

Autorin: Dipl. oec. troph. Karin Possin/Naturarzt www.naturarzt-access.de

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