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Wenn Verwöhnen unselbstständig macht

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Wenn Verwöhnen unselbstständig macht

Materialschlacht im Kinderzimmer, von den Augen abgelesene Wünsche und ein paradiesischer Rundumschutz. Ist das das Geheimrezept für glückliche Kinder? Oder katapultieren wir unseren Nachwuchs durch zu viel Verwöhnen eher in die Unselbständigkeit und machen uns und unseren Kindern das Leben schwer?
„Wieso soll ich den Tisch abdecken? Das macht doch Mama immer!“ Viele Kinder zeigen sich verständnislos, wenn es um kleine Aufgaben oder Pflichten im Haushalt geht. Kein Wunder, wenn sie es nicht anders gelernt haben. Denn viele Kinder werden von jeglichen Handgriffen wie Zimmer aufräumen, Geschirr abspülen, Müll rausbringen oder Hasen füttern verschont. Pädagogen und Erziehungswissenschaftler halten das für bedenklich. Fordern fördert schließlich. Kinder sollten in den Familienalltag eingebunden werden. Das „Hotel-Mama“ ist vielleicht einige Zeit lang angenehm, doch letztendlich langweilig und unbefriedigend.
Auch uns würde der Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Hotel auf Dauer nicht ausfüllen. Und wie sollten wir dort lernen, dass es im Leben nicht nur Annehmlichkeiten sondern auch Pflichten gibt?

Streit schlichten übernehmen die Eltern
Es gibt Eltern, die versuchen alles Negative von ihren Kindern fernzuhalten. Der Streit im Sandkasten wird von der Mutter geschlichtet, wenn die Lehrerin schimpft, stellen sich die Eltern dazwischen und die Auseinandersetzung beim Jugendtraining regelt der Vater. Nett gedacht, doch so erlangen die Kinder weder Selbständigkeit noch werden sie selbstbewusst oder lernen, verantwortlich zu handeln. Auseinandersetzungen sind Übungssache. Kinder müssen lernen mit Konflikten klarzukommen, sich ihnen zu stellen und Ärger auszuhalten. Wir Menschen entwickeln alle unsere Fähigkeiten, indem wir Möglichkeiten haben, uns auszuprobieren. Werden uns diese Möglichkeiten genommen, kommen wir im Leben nicht weiter.

Ich mach´ das schon für dich!
„Lass mich das machen, dann geht es schneller.“ Oder „Gib her, ich weiß, wie es geht.“ Oder „Komm, das mach ich für dich.“ Sätze wie diese hören sich zunächst wie nette Gesten an, die Zuvorkommen und Hilfsbereitschaft zeigen, doch letztendlich sind sie der Einstieg in eine Handlungsunfähigkeit. „Damit wird mit der Zeit ein Anspruchsdenken in junge Menschen eingepflanzt, welches sich wie ein roter Faden durch das weitere Leben in Freundschaft, Beruf und Gesellschaft ziehen wird“, kritisiert Dr. Albert Wunsch, Erziehungsberater und Autor. Ganz nach dem Motto: Wieso soll ich mich anstrengen, die anderen werden es schon richten. Von Selbstverantwortung kann in diesem Fall keine Rede sein.

Eine Generation im Konsum- und Kaufrausch
Ganz offensichtlich ist auch die materielle Verwöhnung unserer heutigen Kinder. Die Kinderzimmer brechen aus allen Nähten, Spielsachen, Kleidung und technische Geräte gibt es im Überfluss. Den Kleinen fällt kaum noch ein Wunsch ein, denn sie haben ja schon alles. Sicher können wir von Glück sprechen, dass wir in einer Zeit leben, in der es vielen Menschen bei uns im Land wirtschaftlich recht gut geht. Aber auch diejenigen, die finanziell nicht so gut gestellt sind, möchten mithalten können. Wenn die Kinder in der Schule ihr neues Handy vorführen, von der Wii, der Playstation und dem i-pod schwärmen, sind Eltern oft viel zu schnell bereit das Geld für diese Geräte auszugeben. Dabei wäre ein Nachmittag gemeinsam mit den Eltern vielleicht viel mehr wert.

Warum verwöhnen wir unsere Kinder?
„Jedes verwöhnende Handeln spiegelt immer die Grundhaltung des Dauernd-für-Andere-da-sein-Wollens wider. Mit dem Verwöhnen stellen die Eltern die Wichtigkeit ihrer Funktion unter Beweis. Das kann auch bedeuten: Sieh doch, wie lieb wir Dich haben,“ erklärt Wunsch. Doch die Liebe zu den Kindern ist nur ein Argument für das Verwöhnen. Ein schlechtes Gewissen, weil die Eltern so wenig Zeit haben, das Ruhigstellen nörgelnder Kinder, der Nachmach-Effekt, um den Ansprüchen der Gesellschaft oder des Umfeldes gerecht zu werden, sind weitere Auslöser, die auf lange Sicht geradewegs in die Verwöhnfalle führen.

Verwöhne ich mein Kind?
Hier eine Checkliste zur Selbstüberprüfung, ob die Verwöhnfalle schon zugeschnappt hat:
– Dem Kind Aufgaben abnehmen, die alleine zu bewältigen wären;
– Konflikte und Auseinandersetzungen vor dem Kind fernhalten;
– Sofort springen, wenn die Kinder es wollen;
– Inkonsequent sein und Verbote wieder aufheben oder übergehen;
– Kinder ständig in die Schule, zum Sport oder zu Freunden fahren;
– Den Weg des geringsten Widerstandes wählen;
– Dinge für mein Kind erledigen, die in seinen Aufgabenbereich gehören, z.B. Schule.

Aurorin: Andrea Krahl-Rhinow

 

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