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Kinder brauchen Oma und Opa!

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Ein Gespräch mit Helga Gürtler, Referentin auf dem 5. JAKO-O Familien-Kongress in Weimar

Für Eltern ist es in der Regel schön, wenn ihre Kinder Oma und Opa haben. Großfamilie fühlt sich anheimelnd an, schenkt ein Gefühl von Sicherheit und erleichtert den Alltag. Nicht selten allerdings kommt es zu Reibungspunkten zwischen den Generationen. Denn Kinder werden plötzlich zu Eltern und haben mitunter andere Vorstellungen von der Erziehung ihrer Kinder als die Großeltern. Diplomatisches Geschick ist hier gefragt. Helga Gürtler gibt im folgenden Kurzinterview Ratschläge, wie Eltern die ein oder andere nervige Situation mit Oma und Opa meistern können, ohne dass es zwingend zum Streit kommen muss.

Meine Eltern wollen miterziehen – wie ziehe ich Grenzen?
Großeltern erziehen meistens mit. Denn jeder, der mit Kindern zu tun hat, erzieht sie automatisch. Eltern sollten sich dabei fragen: „Womit kann ich leben?“ Ist es für sie zum Beispiel unerträglich, wenn ihr Kind bei Oma und Opa ohne Zähneputzen ins Bett darf, dürfen sie den Konflikt nicht scheuen und müssen den Großeltern erklären, warum es ihnen so wichtig ist. Gleichzeitig sollten sie schauen, wo sie ein Auge zudrücken können. Denn es ist normal, dass Großeltern Dinge anders machen. Und das ist auch gut so. Es wäre ja langweilig, wenn sie bloß das Sprachrohr der Eltern wären. Kinder sind hervorragend in der Lage zu differenzieren. Sie wissen „Das läuft bei Oma und Opa so, und dies ist bei uns zu Hause anders.“

Ich mag meine Schwiegereltern nicht. Muss ich ihnen meine Kinder geben?
Wichtig ist hier vor allem: Was wollen die Kinder? Wenn Kinder ihre Großeltern mögen und sie gern besuchen, dann sollten Eltern versuchen, sich hier zurückzunehmen. Denn Kinder brauchen Großeltern. Sie stellen eine weitere Station dar, wo die Kinder sich auch zu Hause fühlen dürfen. Kinder dürfen dort manchmal viel mehr, denn Großeltern können großzügiger sein, weil sie nicht den Lebensalltag mit den Kindern bestreiten müssen. Meist haben Oma und Opa mehr Zeit zum Vorlesen, Basteln oder Backen. Zudem ist es für Kinder einfach schön, wenn sie dort mehr oder andere Dinge dürfen. Eltern sollten dies nicht missgünstig betrachten, sondern sich für ihre Kinder freuen. Eltern sollten sich um der Kinder Willen bemühen, Probleme oder Streitigkeiten mit den Schwiegereltern neutral darzustellen.

Mein Kind mag Oma und Opa nicht. Was nun?
Häufig ist es so, dass Großeltern aus Verwandtschaftsgründen erwarten, dass ihr Enkelkind sie mag. Indes müssen sich Großeltern die Zuneigung erst verdienen und dürfen sie nicht einfach voraussetzen. Auch kann ein bestimmtes Verhalten der Großeltern der Grund für den Unmut des Kindes sein. Eltern müssen genau hinhören, wenn ihr Kind erzählt: „Bei Oma und Opa muss ich immer den Teller leer essen, obwohl ich ganz satt bin!“ Oder: „Die sind immer sauer, wenn ich unterwegs mal muss, weil ich doch vorher hätte gehen können – da musste ich aber noch nicht!“ Hier gilt es mit den Großeltern darüber zu sprechen und zu schauen, ob der Konflikt lösbar ist. Großeltern hingegen müssen es akzeptieren, wenn ihre Enkel sich zurückziehen und zunächst Distanz halten. Eltern brauchen deswegen nicht auf den Besuch bei den Großeltern zu verzichten. Sie können dem lustlosen Kind Ausweichmöglichkeiten anbieten, wie es die Zeit bei Oma und Opa verbringen könnte. Alleinige Pflichtbesuche ohne die Eltern sollten sie keinesfalls ihrem Kind aufdrängen!

Es herrscht Neid und Eifersucht zwischen den Großelternpaaren. Wie verhalte ich mich am besten?
Ein großes Problem, denn oft fährt die Mutter häufiger mit den Kindern zu den eigenen Eltern, wenn sie in Elternzeit ist und der Mann berufstätig. Wahrscheinlich hat sie zu den eigenen Eltern auch ein vertrauteres Verhältnis. Eltern sollten dennoch versuchen, für Gleichgewicht zu sorgen oder die Situation zu erklären. Ansonsten müssen sie den Groll ertragen. Ein möglicher Trost für das benachteiligte Großelternpaar: Oft kristallisieren sich später bestimmte Eigenschaften der einzelnen Omas oder Opas heraus, auf die das Enkelkind dann selbstständig zurückgreift, weil es besonderes Interesse an den Dingen hat, die diese Oma oder dieser Opa kann.

Wir wollen Weihnachten alleine feiern. Wie sage ich es Oma und Opa?
Weihnachten hat doch drei Feiertage! Kann man da nicht Alleinbleiben und Zusammensein so verteilen, dass alle zufrieden sind? Wenn Eltern partout das ganze Fest über allein sein möchten, dann sollten sie das den Großeltern möglichst einfühlsam erklären. Die könnten natürlich enttäuscht sein – damit müssen dann alle leben. Es ergibt keinen Sinn, wenn die Familie grummelnd zusammenkommt, obwohl ein paar lieber allein wären. Vielleicht können Eltern als tröstende Alternative ein gemeinsames Fest zu anderer Zeit vorschlagen, zum Beispiel ein Sommerfest.

 

Zur Person: Helga Gürtler ist Diplom-Psychologin mit dem Spezialgebiet kindliche Entwicklung und Erziehung. Sie hat langjährige Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Eltern, gestaltete viele Rundfunksendungen zu Erziehungsthemen, hält Vorträge in Elterngruppen und ist Autorin zahlreicher Artikel und Bücher. Zuletzt schrieb sie das Buch „Das Glück einer besonderen Beziehung: Großeltern und ihre Enkelkinder“, erschienen im Herder Verlag. Helga Gürtler wohnt in Berlin, hat drei Söhne und drei Enkelkinder. Mehr Infos über Helga Gürtler: www.helga-guertler.de.

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